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Forschungsprojekte

Auswahl an aktuellen und abgeschlossenen Forschungsprojekten an der Hochschule

HAnS - das intelligente Hochschul-Assistenz-System

Das Ziel des Verbundprojekts „HAnS“ ist ein intelligentes Hochschul-Assistenz-System, das im Audio- und Videoformat vorliegende Lehr- und Lernmaterialien aus unterschiedlichen Fächern auf einer open-access Learning-Experience-Plattform sammelt und mittels Spracherkennung durchsuchbar macht. So können die Lehrmaterialien automatisiert nach Kriterien wie Fachgebiet, Sprache und Thema kategorisiert werden. Gleichzeitig fördert das System individuelle Lernprozesse, indem es Studierenden erlaubt, zu ihren Vorkenntnissen im jeweiligen Fachgebiet passende Materialien auszuwählen. Darüber hinaus werden die Audio- und Videoaufnahmen in übersichtliche Kapitel untergliedert: So können Lernende zu genau dem Kapitel springen, das sich mit dem gesuchten Thema beschäftigt.

Die im Verlauf des Projekts entstehende multimediale Datenbank bildet auch die Grundlage für ein intelligentes Tutorsystem, das Studierende beim selbstorganisierten Lernen, Wiederholen und Vertiefen unterstützen soll. Der KI-Tutor erkennt anhand des individuellen Nutzungsverhaltens die Themenschwerpunkte und Lernvorlieben. Darauf aufbauend kann er personalisierte Vorschläge anbieten. Gleichzeitig soll HAnS Lehrenden die Aufbereitung ihrer Lehrmaterialien für das Selbststudium erleichtern.

Die methodologische Grundlage für das Forschungsprojekt, an dem zwölf Institutionen zusammenarbeiten, ist Design-Based Research (DBR). Diese Form des wissenschaftlichen Arbeitens gibt den Forschenden die Möglichkeit, neue Konzepte und Produkte in Etappen zu entwickeln. Der Prototyp wird immer wieder in der Praxis erprobt, sodass das Feedback der Zielgruppen in den Entwicklungsprozess einfließt und iterative, kontinuierliche Verbesserungen des Produkts ermöglicht.

Das Projektteam an der Evangelischen Hochschule Nürnberg ist am Kompetenzzentrum Wirkungsorientierung in der Sozialen Arbeit am Institut für Praxisforschung und Evaluation (IPE) angesiedelt. Sebastian Ottmann und Anne-Kathrin Helten verantworten die quantitative Wirkungsevaluation von HAnS: Sie untersuchen, welche Wirkungen das intelligente Hochschulassistenzsystem bei Studierenden und Lehrenden erzeugt, und analysieren die zugrundeliegenden Wirkmechanismen. Das Institut beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dem Thema Wirkungsorientierung und Wirkungsanalysen, ein Fokus liegt vor allem auf Angeboten der Sozialen Arbeit. Mit HAnS weitet das IPE seine Expertise im Bereich der Wirkungsforschung auf den Bildungsbereich aus, insbesondere mit Blick auf mögliche Anwendungen von KI in der Hochschullehre.

Projekt-Beteiligte der EVHN: Sebastian Ottmann M.A., Anne-Kathrin Helten

Gesamt-Fördersumme: 5 Mio. Euro

Laufzeit: Dezember 2021 bis November 2025
 

Konzeptentwicklung für die Errichtung eines Kompetenzzentrums Kinderwunsch

Familie und Elternschaft haben einen hohen Stellenwert in Deutschland: Im Alter zwischen 20 und 50 Jahren wünschen sich 75 Prozent aller kinderlosen Frauen und 78 Prozent der kinderlosen Männer ganz konkret jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt in ihrem Leben Kinder. Gleichzeitig hat der Anteil ungewollt kinderloser Frauen und Männer in den letzten Jahren zugenommen. Zwischen 2013 und 2020 ist der Anteil ungewollter Kinderlosigkeit bei Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren von 26 auf 32 Prozent und bei Männern in ebendieser Alterspanne von 24 auf 32 Prozent gestiegen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) fördert jetzt über eine Laufzeit von drei Jahren das Projekt „Konzeptentwicklung für die Errichtung eines Kompetenzzentrums Kinderwunsch – Forschung, Beratung und Unterstützung, Information und Vernetzung“ (KompKi), das am Institut für Praxisforschung und Evaluation der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN) durchgeführt wird.

Im Rahmen des Projektes sollen zum einen die inhaltlichen Grundlagen für ein Konzept zur Errichtung eines bundesweiten Kompetenzzentrums Kinderwunsch erarbeitet werden, zum anderen sollen eine Bündelung der Expertise in Deutschland und erste interdisziplinäre Kooperations- und Vernetzungsstrukturen zwischen möglichst allen relevanten Fachbereichen angebahnt werden. Es sollen auch bereits vorhandene und im Verlauf des Projektes entstehende Versorgungsstrukturen in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Projektleitung: Prof. Dr. Birgit Mayer-Lewis, Mitarbeiterinnen: Stephanie Weiser M.A., Monika Chilla M.Eval., Nathalie Schrodi M.A., Alexandra Richter LL.M., Martina Lenkowski B.A., Nadia Vogel

Fördergeber: BMFSFJ, KSt. UA 18-859-024

Laufzeit: 01.08.2021 bis 31.07.2024

Wissenschaftliche Begleitung der Fachstellen für Demenz und Pflege in Bayern

Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördert. Ziel ist die wissenschaftliche Begleitung der Fachstellen für Demenz und Pflege, die 2019 bayernweit und seit 2020 für jeden bayerischen Regierungsbezirk etabliert werden.

Zur Qualitätssicherung, Evaluation und Weiterentwicklung der Arbeit der Demenzagenturen ist das Institut mit der wissenschaftlichen Begleitung beauftragt worden. Aufgabe ist neben einer wissenschaftlichen Beratung in der Phase des Aufbaus und der Etablierung, prozessbegleitend zu unterstützen und Instrumente zur Qualitätssicherung zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise können Handlungsempfehlungen für die weitere Arbeit zur Verfügung gestellt werden.  
Mit den Projektmittel konnten zusätzlich zwei 0,5 Mitarbeiter-Stellen geschaffen werden.

Projektleitung: Prof. Dr. Christine Brendebach
Laufzeit: 04/2019 - 03/ 2022, verlängert bis 03/2023

Integrierte Forschung

Hochtechnologie durchdringt alle Bereiche menschlicher Lebenswelten.  Die Digitalisierung verändert die Konzepte, die unsere ethische und rechtliche, soziale und individuelle  Praxis prägen. Die Konsequenzen sollen in neuen Formen interdisziplinärer Forschung nicht nur diagnostiziert, sondern antizipierend gestaltet werden.

Integrierte Forschung will ethische, rechtliche, soziale und andere relevante Aspekte nicht mehr nur begleitend in Technikentwicklungsprojekte einbringen. Der Forschungsmodus sieht vor, dass Fachleute aus der Technikentwicklung mit jenen aus den Bereichen Ethik, Recht, Sozial- und Geisteswissenschaften in Entwicklungsprojekten von Anbeginn an zusammenarbeiten. Zudem sollen Anwendende und Fachleute aus der Praxis miteinbezogen werden. Damit geht der Ansatz über bis dato praktizierte ELSI-Modelle hinaus. Das Cluster, bestehend aus Forschenden unterschiedlichster Disziplinen, nimmt die heutige und zukünftige Mensch-Technik-Interaktion in den Fokus und entwickelt diesen neuen Forschungsmodus.

Das Cluster Integrierte Forschung besteht aus zwei Teilclustern, das Institut für Pflegeforschung, Gerontologie und Ethik der EVHN ist mit dem Teilprojekt „Orientierung in Digitalen Lebenswelten“ in Teilcluster 1 beteiligt.

Prof. Dr. Arne Manzeschke ist Co-Sprecher des Gesamtclusters und leitet das hier eingegliederte Forschungsprojekt »Orientierung in Digitalen Lebenswelten (OrDiLe)«. Das Ziel von OrDiLe ist es, Orientierungshilfen für eine Gestaltung gelingender Mensch-Maschine-Interaktion zu schaffen. In Form von Fallstudien werden drei beispielhafte Mensch-Maschine-Interaktionen hinsichtlich ihrer zugrundeliegenden Menschen- und Maschinenbilder untersucht. Dadurch sind Schlüsse auf die expliziten und auch impliziten Annahmen über die menschlichen Interaktionspartner möglich. Darüber hinaus wird der Einfluss dieser Annahmen auf die Konstruktion der Maschinen geprüft.
Projektförderung insgesamt: 2,7 Mio. Euro durch das BMBF

Projektleitung:
Prof. Dr. Arne Manzeschke, Mitarbeiterinnen: Dr. Galia Assadi, Katharina Erlenwein, MA, Markus Sendelbeck, BA
Laufzeit: 04/2021 - 03/2024, FKZ: 16SV8626

IT-Systeme und digitale Kommunikation in Beratungsgesprächen der Jugendhilfe

Professionelle im Jugendamt und dem Allgemeinen Sozialen Dienst nutzen in ihrer täglichen Arbeit mit ihren Adressatinnen und Adressaten digitale Informationssysteme. Diese Informationssysteme dienen etwa zur Dokumentation von Gesprächen, Befunden und zur statistischen Analyse sowie Steuerung. Insbesondere im Jugendschutz können digitale Informationssysteme auch für die Risikofolgenabschätzung der Kindeswohlgefährdung eingesetzt werden. Weiter tritt mit Maßgabe sozialer Distanz im Zuge der COVID-19-Pandemie mitunter ein verstärkter Einsatz von Telefon- und Videoberatung hinzu. Die zentrale Frage der des Forschungsprojektes ist, inwiefern digitale Kommunikationstechnologien sowie IT-Systeme in Beratungsgesprächen der Jugendhilfe eingesetzt werden und welche Erfahrungen des Wissensaustausches mit diesen bestehen. Ziel ist es Potenziale und Grenzen im Wissensaustausch via digitaler Technologien zu identifizieren, um so professionelles Handeln sowie die Beteiligung der Adressatinnen und Adressaten zu optimieren.

Methodisch werden Case Studies erhoben, in denen Interviews mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Fach- und Leitungskräften im Allgemeinen Sozialen Dienst und dem Jugendamt geführt und wenn möglich mit teilnehmenden Beobachtungen in Beratungen/Hilfeplanverfahren trianguliert werden.

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Carolin Freier

Bildungstheoretische Bezüge der Themenzentrierten Interaktion

Entstanden im Kontext der humanistischen Psychologie ist die Themenzentrierte Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn (1912-2010) heute in pädagogischen Praxisfeldern weit verbreitet. Nicht konsequent entfaltet ist bislang ihre Verortung in der pädagogischen Theorie. Ziel des Projektes ist es, mit einer bildungstheoretischen Begründung die TZI stärker auch im pädagogischen Theoriediskurs zu verankern. In dem Projekt konnte gezeigt werden, dass die theoretischen Grundlagen der TZI unmittelbar anschlussfähig sind an bildungstheoretische Ansätze wie die „Pädagogik der Autonomie“ von Paulo Freire und die „Pädagogik der Kommunikation“ von Klaus Schaller. Auf der Basis ihrer anthropologischen, ethischen und didaktischen Dimensionen lässt sich die TZI in der Folge als eine „Pädagogik der Verständigung“ kennzeichnen – verbunden mit der Vision, zu einer Humanisierung der Gesellschaft beizutragen.

Projektverantwortlich: Prof. Dr. Margit Ostertag


 

Migration und Religion – Globale Perspektiven in ihrer Bedeutung für Bildungsprozesse

Im Forschungsprojekt „Religion and Migration in Educational Systems. The Relevance of Religion in the Public Sphere” geht es um die Herausforderungen, die sich aus dem Zusammenhang von Migration und Religion für Bildungsprozesse ergeben: Religion als Ressource oder Risiko im Integrationsprozess, religiöse Transformationsprozesse durch Migrationserfahrungen, die Rolle religiöser Bildung in europäischen Aufnahmeländern sowie der normative Beitrag von Religionen zur öffentlichen Debatte über Migration und Flüchtlinge. Die Forschungsarbeit wurde im Rahmen eines Research Fellow Programs am Center of Theological Inquiry der Universität in Princeton/USA durchgeführt. Im Team mit 11 Resident Research Fellows von Universitäten aus Australien, Japan, Kanada, Südafrika, Amerika und Mexiko wurden bei dem Forschungsaufenthalt von Januar bis Mai 2018 grundlegende Fragen zum Zusammenhang von Migration und Religion erforscht. 

Projektverantwortlich: Prof. Dr. Kathrin Winkler


 

Was fehlt der evangelischen Kirche?

Warum kehren der evangelischen Kirche immer mehr Menschen den Rücken? Der Autor vermutet, dass die evangelische Kirche viele Menschen nicht mehr anspricht, weil sie in spiritueller und metaphysischer Hinsicht sprachlos geworden ist. Sie ist kein Ort mehr, an dem man die Erfahrung des Heiligen machen kann. Die evangelische Kirche droht sich selbst zu banalisieren und im Unwesentlichen zu erschöpfen. Dennoch gibt es Hoffnung. Vielleicht, so Frisch, hat die evangelische Kirche ihre beste Zeit sogar noch vor sich, wenn sie sich wieder auf die letzten Dinge besinnt. Das Buch „Was fehlt der evangelischen Kirche? Reformatorische Denkanstöße“ (Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2017, 280 Seiten) ist ein Plädoyer für die Wiederentdeckung eines fundamentalen christlichen Glaubens, der die Kritik an sich selbst ebenso wenig scheut wie die Kritik am Islam und die Auseinandersetzung mit totalitären und reduktionistischen Welt-, Menschen- und Gottesbildern. 

Autor: Prof. Dr. Ralf Frisch