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Forschungsprojekte

Auswahl an aktuellen und abgeschlossenen Forschungsprojekten an der Hochschule

IT-Systeme und digitale Kommunikation in Beratungsgesprächen der Jugendhilfe

Professionelle im Jugendamt und dem Allgemeinen Sozialen Dienst nutzen in ihrer täglichen Arbeit mit ihren Adressatinnen und Adressaten digitale Informationssysteme. Diese Informationssysteme dienen etwa zur Dokumentation von Gesprächen, Befunden und zur statistischen Analyse sowie Steuerung. Insbesondere im Jugendschutz können digitale Informationssysteme auch für die Risikofolgenabschätzung der Kindeswohlgefährdung eingesetzt werden. Weiter tritt mit Maßgabe sozialer Distanz im Zuge der COVID-19-Pandemie mitunter ein verstärkter Einsatz von Telefon- und Videoberatung hinzu. Die zentrale Frage der des Forschungsprojektes ist, inwiefern digitale Kommunikationstechnologien sowie IT-Systeme in Beratungsgesprächen der Jugendhilfe eingesetzt werden und welche Erfahrungen des Wissensaustausches mit diesen bestehen. Ziel ist es Potenziale und Grenzen im Wissensaustausch via digitaler Technologien zu identifizieren, um so professionelles Handeln sowie die Beteiligung der Adressatinnen und Adressaten zu optimieren.

Methodisch werden Case Studies erhoben, in denen Interviews mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Fach- und Leitungskräften im Allgemeinen Sozialen Dienst und dem Jugendamt geführt und wenn möglich mit teilnehmenden Beobachtungen in Beratungen/Hilfeplanverfahren trianguliert werden.

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Carolin Freier

Bildungstheoretische Bezüge der Themenzentrierten Interaktion

Entstanden im Kontext der humanistischen Psychologie ist die Themenzentrierte Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn (1912-2010) heute in pädagogischen Praxisfeldern weit verbreitet. Nicht konsequent entfaltet ist bislang ihre Verortung in der pädagogischen Theorie. Ziel des Projektes ist es, mit einer bildungstheoretischen Begründung die TZI stärker auch im pädagogischen Theoriediskurs zu verankern. In dem Projekt konnte gezeigt werden, dass die theoretischen Grundlagen der TZI unmittelbar anschlussfähig sind an bildungstheoretische Ansätze wie die „Pädagogik der Autonomie“ von Paulo Freire und die „Pädagogik der Kommunikation“ von Klaus Schaller. Auf der Basis ihrer anthropologischen, ethischen und didaktischen Dimensionen lässt sich die TZI in der Folge als eine „Pädagogik der Verständigung“ kennzeichnen – verbunden mit der Vision, zu einer Humanisierung der Gesellschaft beizutragen.

Projektverantwortlich: Prof. Dr. Margit Ostertag


 

Migration und Religion – Globale Perspektiven in ihrer Bedeutung für Bildungsprozesse

Im Forschungsprojekt „Religion and Migration in Educational Systems. The Relevance of Religion in the Public Sphere” geht es um die Herausforderungen, die sich aus dem Zusammenhang von Migration und Religion für Bildungsprozesse ergeben: Religion als Ressource oder Risiko im Integrationsprozess, religiöse Transformationsprozesse durch Migrationserfahrungen, die Rolle religiöser Bildung in europäischen Aufnahmeländern sowie der normative Beitrag von Religionen zur öffentlichen Debatte über Migration und Flüchtlinge. Die Forschungsarbeit wurde im Rahmen eines Research Fellow Programs am Center of Theological Inquiry der Universität in Princeton/USA durchgeführt. Im Team mit 11 Resident Research Fellows von Universitäten aus Australien, Japan, Kanada, Südafrika, Amerika und Mexiko wurden bei dem Forschungsaufenthalt von Januar bis Mai 2018 grundlegende Fragen zum Zusammenhang von Migration und Religion erforscht. 

Projektverantwortlich: Prof. Dr. Kathrin Winkler


 

Was fehlt der evangelischen Kirche?

Warum kehren der evangelischen Kirche immer mehr Menschen den Rücken? Der Autor vermutet, dass die evangelische Kirche viele Menschen nicht mehr anspricht, weil sie in spiritueller und metaphysischer Hinsicht sprachlos geworden ist. Sie ist kein Ort mehr, an dem man die Erfahrung des Heiligen machen kann. Die evangelische Kirche droht sich selbst zu banalisieren und im Unwesentlichen zu erschöpfen. Dennoch gibt es Hoffnung. Vielleicht, so Frisch, hat die evangelische Kirche ihre beste Zeit sogar noch vor sich, wenn sie sich wieder auf die letzten Dinge besinnt. Das Buch „Was fehlt der evangelischen Kirche? Reformatorische Denkanstöße“ (Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2017, 280 Seiten) ist ein Plädoyer für die Wiederentdeckung eines fundamentalen christlichen Glaubens, der die Kritik an sich selbst ebenso wenig scheut wie die Kritik am Islam und die Auseinandersetzung mit totalitären und reduktionistischen Welt-, Menschen- und Gottesbildern. 

Autor: Prof. Dr. Ralf Frisch