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Warum guter Religionsunterricht gerade in Krisenzeiten notwendig ist!

Für die Studierenden der Religionspädagogik war von heute auf morgen alles anders. Keine Praktika im Fach Religion waren möglich, digitale Lernformen, Maskenschutz, viel Abstand und kaum Nähe. Nun hat das nächste Online-Semester begonnen und noch findet auch wieder der Religionsunterricht an den Schulen statt. Doch wie lange noch?

Die Studierenden haben gemeinsam mit Prof. Dr. Kathrin Winkler, Professorin für Religionspädagogik und Religionswissenshaften, nach Antworten gesucht, warum gerade der Religionsunterricht systemrelevant ist: Religiöse Bildung stellt für die Auseinandersetzung mit existentiellen Erfahrungen in Krisenzeiten ein wichtiges Resilienz-Potenzial dar. Schüler und Schülerinnen brauchen Raum, um die bedrückenden Erfahrungen in der Corona-Zeit einzuordnen und nach (religiösen) Antworten zu suchen. Beziehungen aufrechterhalten, mit Spannungen umgehen, Rücksicht nehmen, das Unbestimmte zulassen und Zuversicht gewinnen sind systemrelevante Fähigkeiten, die im Religionsunterricht eingeübt werden. Sie helfen, den Wert des Lebens zu achten und Verschwörungstheorien zu widerstehen. Und nicht zuletzt setzt die theologische Auseinandersetzung mit der Gegenwart die Erkenntnis frei, dass die Corona-Krise mit der ökologischen Krise und der dringend notwendigen Umsetzung von Nachhaltigkeit zusammenhängt.

Text: Prof. Dr. Kathrin Winkler

 

Studierende im Studiengang Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit (RT)  haben sich Gedanken zu dem Thema gemacht

„Religionsunterricht gehört zu einer umfassenden Bildung der Schüler_innen dazu. Religionsunterricht schafft Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten und trägt durch den Erwerb von religiösen Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen sowohl zur Dialogfähigkeit in einer multikulturellen Gesellschaft als auch zur Identitätsentwicklung der Schüler_innen bei.Religionsunterricht leistet dadurch - gerade in diesen Zeiten - einen gewichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft.“
– Julia Winkel, 6. Semester RT

 

„Der Religionsunterricht unterstützt die Entwicklung der Identität und die Fähigkeit, mit verschiedenen Haltungen und vielfältigen Lebensformen umzugehen. Diese Kompetenzen gewinnen in unserer multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Die letzten Monate waren eine große Herausforderung, besonders Kinder und Jugendliche litten unter großen Belastungen. Gerade jetzt muss die Schule ihnen Raum für Fragen bieten und Kompetenzen fördern, mit denen sie das Erlebte verarbeiten können. Der Religionsunterricht ist somit nicht nur systemrelevant, sondern elementar für die Ausbildung der Orientierungsfähigkeit und die Werterziehung der Schülerinnen und Schüler.“
– Lisa Gassauer, 2. Semester RT

 

„In meinen Augen ist der Religionsunterricht gerade in diesen schweren Zeiten wichtiger denn je. Vor allem für Kinder und Jugendliche, in deren Familien es Jobverluste, Streitigkeiten und andere Konfrontationen gibt, ist es von großer Relevanz einen Raum abseits davon zu schaffen. Die Schule kann hierbei ein Ort sein, um sich von familiären Problemen zu distanzieren. Der Religionsunterricht gibt den Schülern die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, von ihrem Tag sowie auch von Sorgen zu berichten und Fragen zu Themen wie Krankheit und Tod zu behandeln. Dies sind gerade jetzt in der Zeit der Corona-Krise sehr präsente Themen in den Köpfen der Schüler*innen auf der Suche nach Antworten.“
– Nina Hahner, 2. Semester RT

 

„Die Zukunft unserer Gesellschaft liegt in den Händen der Kinder und Jugendlichen. Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen und ausschließlich Sachinhalte in der Schule vermitteln. Wir müssen auch die Entwicklungen im Bereich der Persönlichkeit und Sozialkompetenzen, bei den Schüler*innen fördern. Der Religionsunterricht kann genau dazu beitragen, indem er jede*n Schüler*in einzeln in den Blick nimmt, mit all den Fähigkeiten und Bedürfnissen und unabhängig von Leistung Anerkennung schenkt. So können die Schüler*innen zu Menschen werden, die in Zukunft eine Gesellschaft gestaltet, die sich gegenseitig unterstützt und Grenzen und Vorurteile abbaut.“
– Viktoria Seydel, 4. Semester RT

 

„Religionsunterricht ist meines Erachtens nach systemrelevant, weil die Schüler*innen nicht nur Diesseits- sondern auch Jenseitsorientierung brauchen. Außerdem kann die frohe Botschaft des Evangeliums für jeden Bedeutung haben, denn keiner ist perfekt und ist auf Annahme und Hoffnung angewiesen. Wir als Religionspädagog*innen wollen diese Botschaft weitergeben und bieten sie an. Durch kognitive Reflexion können sich die Schüler*innen dieser Thematik annähern und dann selbst entscheiden, ob sie sich dem Christentum im Glauben öffnen oder nicht.“
– Sascha Porkristl, 4. Semester RT

 

„Religionsunterricht ist ein Fach, in dem die Kommunikationsfähigkeit geschult wird, den eigenen Glauben aber auch wichtige Sinnfragen zur Sprache zu bringen. Zudem kommen die SchülerInnen in Kontakt mit ganz anderen Lebens- und Glaubenswelten, die fruchtbringend für ihr gesamtes Leben und auch ihre Offenheit gegenüber anderen Lebensentwürfen und religiösen Traditionen sein können. Gerade auch jetzt in dieser Corona-Krisensituation, wo weniger Sozialkontakte möglich waren, die zum Teil auch für eine Umstellung des gesamten Lebens gesorgt haben, benötigt es genau solche Räume der Kommunikation und Annahme, die im Religionsunterricht ermöglicht werden.“
– Rebecca Reisse, 4. Semester RT