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Religionspädagogik: Corona in der Praxisphase

Briefe für die Mädchengruppe in einer Gemeinde in Burgthann

Die Studierenden im Bachelorstudiengang „Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit" absolvieren im 5. und 6. Semester ihr „Praktisches Studienjahr“, das heißt, sie erproben sich über einen Zeitraum von 40 Wochen sowohl im Religionsunterricht in unterschiedlichen Schularten als auch in der Kirchlichen Bildungsarbeit in evangelischen Kirchengemeinden oder in Einrichtungen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern. Auch für die Studierenden bedeutet die Corona-Krise einen herben Einschnitt in ihrer Praxisphase:

Alle Schulen sind geschlossen und in den Gemeinden entfallen alle klassischen Veranstaltungsformate, wie zum Beispiel Kindergruppen oder Jugendtreffs. „Wie können wir gerade jetzt für 'unsere' Kinder und Jugendlichen da sein?", „Wie können wir in dieser Krise erfahrbar machen 'Ihr seid nicht allein'?" Diese Fragen bewegen die Studierenden mit den Verantwortlichen in Schulen und Gemeinden. Und tatsächlich: Es entstehen neue, kreative Wege, um mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben und sie zu ermutigen. Dass dabei auch neue Formen des miteinander Arbeitens von Haupt- und Ehrenamtlichen entstehen, ist ein weiterer und zukunftsweisender Effekt.

Studierende im Praktischen Studienjahr schildern ihre „neuen Kontaktformen“:

Lucie Gerstmann (Grundschule Senden) und Philipp Heinzel (Grundschule Neu-Ulm) berichten: "Für unsere Grundschülerinnen und -schüler haben wir Bibelverse zu Ausmalbildern gemacht. Diese versenden wir nun zusammen mit einem Brief an die Schülerinnen und Schler. In dem Brief fragen wir, wie es ihnen geht, ob alles gut ist und erzählen, dass wir oft an sie denken. Wir sagen auch, dass es eine beängstigende Zeit ist und sich vieles geändert hat. In solchen Zeiten kann Gott uns Mut und Kraft geben. Hierfür haben wir die Bibelverse angehängt. Diese können die Schülerinnen und Schüler ausmalen und in ihr eigenes Zimmer hängen. Sie werden aber auch ermutigt, einen ausgemalten Bibelvers zu verschenken, z.B. an die Eltern, Nachbarn, Freunde, Verwandte."

Julia Winkel: "Seit Wochen findet kein Religionsunterricht in der Grundschule Altdorf statt, in der ich in meinem Praxisjahr eingesetzt bin. Nun haben wir als evangelische und katholische Religionslehrerinnen gemeinsam "Reli-Entdeckerhefte" entworfen. Die Erst- und Zweitklässler/-innen können auf freiwilliger Basis Verschiedenes zur Schöpfung in den Heften entdecken, die Dritt- und Viertklässler/-innen zur evangelischen und katholischen Kirche. Mit im dem Heft dabei sind zum Beispiel ein besonderer Spaziergang oder eine Kirchenexpedition. Wir hoffen, den Kindern dadurch Freude, Abwechslung und gute Anregungen zu bringen. Reli-Entdeckerhefte zu Pfingsten sind in Planung."

Lena Riegel: "Normalerweise biete ich in meiner Gemeinde, der Christuskirche in Stadeln, jeden Monat ein Bible`n´Brunch für junge Erwachsene und alle, die sich angesprochen fühlen, an. Bei einem gemeinsamen späten Frühstück kommen wir zusammen und nehmen uns Zeit für die Gemeinschaft. Doch auch der geistliche Hunger wird bei uns gestillt. Gemeinsam lesen wir einen ausgewählten Bibeltext, treten in den Austausch und  diskutieren über alte oder neue Fragen. Diese monatlichen Treffen waren für mich immer ein  Highlight in meiner Gemeinde. Nun müssen diese aber leider ausfallen. Um jedoch nicht gänzlich darauf verzichten zu müssen und den Interessierten eine Möglichkeit zur persönlichen Bibellese zu geben, kam die Idee für einen Bible`n´Walk auf. Mit einem erstellten Papier, dass unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern verteilt wurde und auch auf der Instagram-Seite zur Verfügung gestellt wurde, kann sich jede und jeder auf den Weg machen - durch die Natur, aber auch durch die Bibel, Es gibt zum Psalm 104 vorbereitete Stationen, die sich gut mit einem Spaziergang in der erwachenden Natur verbinden lassen. So kann jeder sich auf den Weg machen."

Lea Zepter, die im Evangelischen Jugendwerk in Würzburg ihre Praktikumszeit absolviert: "Auch im evangelischen Jugendwerk in Würzburg sind wir in den letzten Wochen kreativ geworden. Da weder Gremienarbeit, Freizeiten, Jungscharstunden oder sonstige Aktionen möglich sind, haben wir das Projekt EJ@home gestartet. Jeden Abend um 18:00 Uhr gibt es auf dem Instagram-Account "ejwuerzburg" der evangelischen Jugend im Dekanat Würzburg unterschiedliche spirituelle Angebote für zu Hause - mal gibt es eine Geschichte zum Lesen (read@home), mal ein Lied zum Mitsingen (worship@home), Gedanken zu verschiedenen Bibelstellen (bible@home), Gebete (pray@home) oder Anregungen für Aktionen, die man zu Hause machen kann. Dadurch zeigen wir den Jugendlichen, das wir als Kirche auch in schwierigen und unsicheren Zeiten aktiv sind und eine Hoffnung und Zuversicht haben, dass wir die Krise im Vertrauen auf Gott gemeinsam durchstehen können."

Julia Winkel: „In meiner Kirchengemeinde wird wie in den Schulen auch pausiert. Eine Idee, die ich sehr schön finde: In Burgthann ist normalerweise immer einmal in der Woche Mädchengruppe, wo Mädels im Alter von 6 bis12 kommen. Um den Kontakt nicht zu verlieren, um Mut zu machen und zu zeigen, dass wir füreinander da sind, haben wir als Mitarbeiterinnen den Mädels jeweils Briefe geschrieben. Mit dazu kam noch eine kleine Andacht mit dem Thema „Bärenstark" und eine Bären-Bastelanleitung."

Christine Hauptkorn: „Unser Newsletter für Kinder ist eine Zusammenarbeit zwischen den Kirchengemeinden Limbach und Katzwang, einem engagierten Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen und mir. Der Newsletter ist vorerst regelmäßig für die Osterferien gedacht. Die Kinder erhalten beispielsweise eine Geschichte zu Ostern, dazu ein Rätsel mit Lösung, kreative Ideen und Links wie den Youtube Kindergottesdienst von Bayern evangelisch.
Uns ist es wichtig, mit den Kindern und den Eltern in Kontakt zu bleiben und sie spüren zu lassen, dass wir für sie da sind. Außerdem überlegen wir uns Vorschläge, die mit wenig Aufwand verbunden sind und vor allem Spaß machen. Wir planen einen Fotowettbewerb um das Thema „Natur/ Frühling - Da wächst was" für die Kinder zu starten.
Je nachdem, wie sich die Situation entwickelt, möchten wir an dem Konzept des Newsletters weiterarbeiten. Denn die Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen motiviert uns."

Judith Hübel über ihre aktuell etwas andere Evangelische Jugendarbeit und die Mitarbeitenden-Kommunikation in der Gethsemanekirche in Schwabach-Limbach: „Normalerweise würden wir uns mit den Mitarbeitenden der Jugendarbeit, der Gethsemanekirche in Schwabach-Limbach alle paar Monate zum MAK (Mitarbeiter-Kreis) treffen. Da dies nun nicht face-tot-face möglich ist, haben wir beschlossen uns virtuell zu treffen. Wir haben uns diese Woche per „Discord“, einer Plattform die eigentlich von Gamern genutzt wird, um sich während der Videospiele zu unterhalten, getroffen. Hier sieht man sich zwar nicht, so wie bei Skype aber es ist, wie ein Telefonat mit 15 Personen gleichzeitig. Am Anfang war das erst einmal ein wenig „anders“ und „ungewohnt“ und man musste sich daran gewöhnen, dass man die anderen nicht sehen kann. Auch die Gemeinschaft, die wir sonst beim gemeinsamen Essen haben, fiel hierbei weg. Es ist dennoch eine gute Möglichkeit miteinander in Kontakt zu bleiben und die Jugendarbeit am Laufen zu halten.  Wir haben beschlossen, am Gründonnerstag einen virtuellen Spieleabend zu machen. Ich bin schon sehr gespannt wie das funktioniert. Ein paar der Mitarbeitenden haben das schon gemacht und haben deshalb schon Erfahrung damit, wie man manche Spiele über Skype spielen kann. So können wir trotz der ausgefallenen Osterübernachtung und des Jugendgottesdienstes Gemeinschaft miteinander haben. Um so kurz vor Ostern noch einen kleinen Impuls zu setzen, versuchen sich die Diakonin und ich an einer kleinen virtuellen Andacht, die wir vor dem Spielen für die Mitarbeitenden halten möchten. Gerade jetzt finde ich es wichtig, dass wir die Möglichkeiten, die wir haben nutzen, um miteinander in Kontakt zu bleiben. Auch wenn wir alle hoffen, dass wir uns bald wieder „analog“ in unserem Jugendraum, mit leckerem Essen treffen können.“

Patricia Cappello: "Auf der Internetseite der Philippuskirche wurde ein Osterweg (Ostern in - Philippus - Gottesdienst "to go") mit interaktiven Aufgaben zur Verfügung gestellt. Pfarrerin Fuchs, Pfarrer Häfner und ich haben die Aufgabe für den Osterweg übernommen und einige Frauen der Gemeinde haben im Gemeindehaus verschiedene Stationen mit Egli-Figuren aufgebaut. Meine Station war der Ostermontag. Dafür habe ich eine Andacht geschrieben und ein kreatives Angebot zum Mitmachen zur Verfügung gestellt. Unter www.philippuskirche-reichelsdorf.de kann man das Angebot anschauen."

Lucie Gerstmann: "Ich studiere im sechsten Semester Religionspädagogik. Im fünften und sechsten Semester findet das Praxisjahr statt, welches ich in Senden (Nähe Ulm) absolviere.

Aufgrund des Corona Virus mussten auch hier in der Gemeinde und in der Schule alle Veranstaltungen abgesagt werden. Das bedeutet aber nicht, dass in der Gemeinde nichts passiert. Beispielsweise gibt es für unsere Jugendgruppe nun einen Discord-Server. Hier können sich die Jugendlichen im Sprachanruf oder per Textnachrichten austauschen. So findet nun jeden Freitag die Jugendgruppe nicht mehr im Gemeindehaus, sondern per Discord statt. Pünktlich wie sonst auch beginnen wir um 18 Uhr und es gibt Lobpreis, Gebete und einen Impuls zu einem Thema. Der Impuls wird nicht immer von uns Leitern, sondern teilweise auch von den Jugendlichen vorbereitet. So wurde beispielsweise in der letzten Jugendgruppe ein Teil der Bergpredigt gelesen, Meinungen und Fragen dazu wurden ausgetauscht und viel diskutiert. Es ist zwar schade, dass man sich nicht sieht, aber der Austausch findet trotzdem statt. Dies kommt auch bei den Jugendlichen sehr gut an und es nehmen an den Discord-Jugendgruppen genauso viele Jugendliche teil, wie an den normalen. Es funktioniert wie sonst auch, man muss sich nur daran gewöhnen. Mit anderen Leuten gleichzeitig das Vater Unser zu beten, kann relativ lustig und ungewohnt sein, wenn einige zeitverzögert sind. Jedoch gewöhnt man sich auch daran und bei dem freien Gebet redet nur einer, da funktioniert es besser. Die Lobpreiszeit ist eine größere Herausforderung, da man die anderen viel besser hört und nicht jeder sich dabei wohlfühlt. Außerdem kann die Band viel schlechter zusammenspielen und sich auch nicht wirklich zum üben treffen. Jedoch gibt es auch hierfür Lösungen, einen Musik-Bot und eine kleine, aber feine Funktion von Discord. Der Musik-Bot ist eine künstliche Intelligenz, welche auf die Musik von YouTube Zugriff hat. Mit diesem Bot wird die Musik in einer guten Qualität für alle Teilnehmenden hörbar und jeder kann mitsingen. Wenn man sich unwohl fühlt, dass die anderen einen hören können, kann man das Mikrofon ausschalten. Eine kleine Schaltfläche in Discord ermöglicht dies und somit kann man aus voller Kehle singen und keiner kann es hören.

Alles in allem muss ich sagen, dass es anfangs schon ungewohnt ist, sich so zu treffen. Jedoch gewöhnt man sich daran, findet Lösungen für Probleme und lernt neues dazu. Der Virus und die Ausgangsbegrenzung hindern uns nicht daran Gott zu loben, unseren Glauben zu leben und uns auszutauschen.“

 

Während des Praktischen Studienjahrs werden die Studierenden begleitet von den Praxisbeauftragten der EVHN, Dipl.-Rel.päd. Barbara Wohl und Dipl.-Rel.päd. Stephan Richter M.A.

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Foto: Julia Winkel

Informationen zum Studiengang: www.evhn.de/religionspaedagogik