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Zwischen Kolonialgeschichte und Bildungszukunft – Ruanda, Burundi und Deutschland

Let's rethink

Das Forschungsprojekt untersucht die langfristigen Folgen der deutschen Kolonialherrschaft in Ruanda und Burundi und fragt, wie koloniale Erfahrungen und Wissensordnungen bis heute gesellschaftliche, kirchliche und insbesondere bildungsbezogene Strukturen prägen. Im Mittelpunkt steht, wie koloniale Narrative entstanden sind, wie sie fortwirken und wie sie im Rahmen von Bildungsprozessen reflektiert und weiterentwickelt werden können. Es wird untersucht, wie deutsche Kolonialstrukturen und -denkweisen die Entwicklung kirchlicher Institutionen, gesellschaftlicher Normen und insbesondere der Bildungssysteme geprägt haben. Dabei wird analysiert, wie koloniale Kontinuitäten bis heute soziale, kulturelle, politische, kirchliche und bildungspolitische Kontexte beeinflussen.

Ein besonderer Fokus liegt auf Bildungssystemen, da diese historisch oft als Instrument zur Vermittlung kolonialer Werte dienten. Das Projekt beleuchtet, wie Curricula, Schulstrukturen und Lehrmethoden von kolonialen Denkweisen geprägt wurden und wie aktuelle Bildungspraktiken in Burundi, Ruanda und Deutschland zu einer nachhaltigen Dekolonisierung beitragen können. Eine Curriculum-Analyse an der EVHN zeigt, dass koloniale Prägungen in Wissen und Bildung bislang meist nur implizit thematisiert werden, zugleich aber zentrale Bezüge zu Interkulturalität, Diskriminierung und sozialer Gerechtigkeit aufweisen. Das Projekt macht Perspektiven von Hochschullehrenden, Studierenden, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Kirchenverantwortlichen sichtbar. Ziel ist es, bestehende Narrative kritisch zu hinterfragen, dekolonisierende Ansätze in der Bildung zu fördern und Mechanismen von Ungleichheit und Diskriminierung offenzulegen.

Diese Befunde werden durch Workshops mit Studierenden, Lehrenden, zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren sowie Kirchenvertreterinnen und -vertretern ergänzt. Dabei zeigte sich ein großes Interesse an der deutschen Kolonialgeschichte in Ruanda und Burundi sowie an deren Bedeutung für heutige gesellschaftliche und bildungsbezogene Herausforderungen. Das Projekt versteht Dekolonisierung als gemeinsamen Lernprozess. Ziel ist es, Perspektiven aus Ruanda und Burundi als gleichberechtigte Wissensressourcen einzubeziehen und Bildungsprozesse nachhaltig weiterzuentwickeln. 

Das von Brot für die Welt mit 300.00 Euro geförderte Projekt (2025–2027) leistet einen Beitrag zu globaler Partizipation und zukunftsorientierter Bildungsarbeit, indem es den interkulturellen Dialog stärkt und Jugendliche sowie Erwachsene im globalen Süden und Norden für das koloniale Erbe sensibilisiert. Im März 2026 findet eine Forschungs- und Lernreise nach Ruanda statt, bei der Studierende, Lehrende und kirchliche Verantwortliche im direkten Austausch voneinander lernen und die gemeinsamen Perspektiven des Projekts vertiefen.

Projektteam: Prof. Dr. Kathrin Winkler und Prof. Dr. Martin Nugel, EVHN; Dr. Emmanuel Niyibizi, Protestant University of Ruanda

Kontakt: www.evhn.de/kathrin.winkler, www.evhn.de/martin.nugel

 

Bild: pixabay