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Call for Papers - bis 6.12.19: Konferenz Gegenwart und Zukunft sozialer Dienstleistungsarbeit. Chancen und Risiken der Digitalisierung in Sozialer Arbeit, Pflege und Erziehung

Donnerstag, 12. März 2020 - 10:00 bis Freitag, 13. März 2020 - 15:00
Ort: 
Evangelische Hochschule Nürnberg, Bärenschanzstr. 4, 90429 Nürnberg

CfP ends Dec 6, 2019: Conference on March 12 and 13, 2020 at the Lutheran University of Applied Sciences Nürnberg: Presence and Future of Work in Social Services Opportunities and Risks of Digitalization in Social Work, Care and Education. For English version please see end of the page/pdf download 

Vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft mit ihren sozialen Problemen und einer zunehmenden Frauenerwerbstätigkeit, nimmt häusliche Betreuung ab und soziale Dienstleistungen in der Pflege, Erziehung und Sozialen Arbeit werden zunehmend nachgefragt. Der wachsende Bedarf an Beschäftigten, kann jedoch vielerorts nicht gedeckt werden. Die Sozialwirtschaft steht aktuell, neben dem Fachkräftemangel, vor einer zweiten zentralen Herausforderung – der digitalen Transformation.

Im Zuge dieser Entwicklung verändern Technologien, wie Computer, Smartphones, Roboter oder Software das alltägliche Leben und Arbeiten umfassend. Großeltern chatten mit ihren Enkeln am Smartphone – große räumliche Distanzen überwindend – und Navigationssysteme ermöglichen ambulanten Pflegekräften sich im unbekannten Terrain zielsicher zum neuen Klienten zu bewegen. Mit der fortschreitenden digitalen Entwicklung verändern sich nicht nur digitale Produkte oder Formen des Wirtschaftens, sondern beispielsweise kulturelle Kommunikationsgewohnheiten der Klientinnen und Klienten sowie Rahmenbedingungen der Arbeit in der Sozialwirtschaft.

Dienstleistungen im Bereich der Sozialen Arbeit, Pflege und Erziehung zeichnen sich durch intensive Beziehungsarbeit und direkte Interaktion mit ihren Adressatinnen und Adressaten aus. Wie verändert sich diese soziale Dienstleistungsarbeit durch die digitale Transformation?

Verglichen mit der industriellen Produktion, haben digitale Systeme die alltägliche Arbeitspra-xis sozialer Dienstleistungen weniger intensiv durchdrungen. Nichtsdestotrotz finden digitale Technologien immer mehr Einzug: In der Pflege eingesetzte Sensoren registrieren beispielsweise Stürze, sprachgesteuerte Dokumentationssysteme und fahrerlose Transportsysteme sind bereits in Betrieb. Auch in der Sozialen Arbeit findet das Thema Digitalisierung zunehmend wissenschaftliche Beachtung. Erprobt und auf ihre Chancen und Risiken hin diskutiert werden soziale und digitale Medien, Online-Beratung, Mobiles Lernen, digitale Spiele und Geocaching in der Arbeit mit Klientinnen und Klienten. Medienpädagogische Konzepte, finden von der Kindertagesstätte bis zur Kinder- und Jugendhilfe bereits Verwendung.

Auch wenn digitale Technologien aktuell vor allem als Dokumentations- und Abrechnungssysteme genutzt werden, wäre eine weitergehende zukünftige Nutzung durchaus denkbar. Beispielsweise wird Big Data für die Risikofolgenabschätzung der Kindeswohlgefährdung in den USA und Australien eingesetzt und in einigen Bundesländern Programme zur Täter- und Risikoprognose im Bereich der Bewährungshilfe verwendet. Weiter sind Therapieroboter bereits entwickelt, die als unterstützende oder autonome Maschine, mit Gelähmten Übungen machen und Demente und Autisten mit Fragen herausfordern: Ein bekanntes Beispiel ist der robbenförmige Paro, der etwa von Dementen gestreichelt wird, ihren Namen versteht und ihre Gefühle durch Geräusche und Bewegungen ausdrückt. Verbunden mit dem Einsatz von solchen digitalen Systemen sind jedoch Fragen des Datenschutzes, staatsbürgerlicher Rechte und der informationellen Selbstbestimmung. Denn intelligente Systeme wie Therapieroboter und Informationstechnologien sammeln personenbezogene Daten, die Hard- und Softwarekonzerne zu Personenprofilen zusammenfassen, ohne die Daten- und Berechnungsgrundlagen offen zu legen.

Bereits etablierte oder bevorstehende technologische Entwicklungen können die Praktiken der Sozialen Arbeit verändern, Entscheidungshilfen oder Richtwerte generieren wie auch Beratungssituationen verändern. Ferner entstehen durch den digitalen Wandel veränderte Handlungsfelder der Sozialen Arbeit, wie Computer- und Online-Spielsucht, Cyber Mobbing oder Verschuldung durch In-App-Käufe.

Ziel der Konferenz ist, die Praxis der sozialen Dienstleistungsarbeit im Kontext des digitalen Wandels zu analysieren. Sie soll Gelegenheit bieten, die Verwendung digitaler Technologien in beruflichen Alltagspraktiken in verschiedensten sozialen Feldern vergleichend in den Blick zu nehmen und den Einfluss des digitalen Wandels auf die Berufspraxis, die Profession sowie die Arbeit mit Klientinnen und Klienten zu reflektieren.

Vertreterinnen und Vertreter der Sozialarbeitswissenschaft, Pädagogik, Soziologie, Psychologie, Pflege-, Diakonie-, Wirtschafts- und Geschichtswissenschaften sind herzlich eingeladen, ihre Perspektive auf vergangene, gegenwärtige und zukünftige digitale Praktiken in der sozialen Dienstleistungsarbeit vorzustellen. Auch Studierende, die von Ergebnissen ihrer Qualifizierungsarbeiten (Bachelor, Master) berichten, sind willkommen. Wir freuen uns insbesondere über empirische (gerne ländervergleichend) sowie theoretische Beiträge.

Vorträge können sich beispielsweise auf folgende Fragenkomplexe beziehen:

  1. Digitale Handlungsfelder sozialer Dienstleistungen: Welche Chancen und Grenzen bieten digitale Technologien etwa in der Medienpädagogik, Kinder- und Jugendarbeit oder der Arbeit mit Seniorinnen und Senioren? In welchen digitalen Handlungsfeldern gibt es Einsatzerfahrungen und wie verändern digitale Medien ihrerseits die Formen des Wissenserwerbs oder der Beratung?
  2. Digitalisierung und Profession: In welcher Wechselwirkung steht professionelles Handeln der Beschäftigten in sozialen Dienstleistungen mit dem Einsatz digitaler Technologien in Arbeitsprozessen? Wie vollzieht sich die Technik-Subjekt-Klienten-Interaktion? Welche Werte oder Algorithmen bestimmen die Ausrichtung professionellen Handelns, welche Handlungsspielräume besitzen die Beschäftigten und nach welchen Kriterien wird der Wert der Arbeit bewertet?
  3. Digitalisierung, soziale Teilhabe und Autonomie: Welche Zugänge und welche Barrieren beinhalten digitale Technologien für Menschen, mit gesundheitlichen Einschränkungen, einer Behinderung oder einem Wohnsitz in einer strukturschwachen Region? Inwiefern ermöglichen oder behindern digitale Systeme Autonomie für Beschäftigte in sozialen Dienstleistungen und für ihre Klientinnen und Klienten?
  4. Arbeitsnachfrage, Digitalisierung und Macht: Welche soziale Dienstleistungsarbeit (von studierten Experten, Fachkräften, Helfern) wird nachgefragt? Verändert die erhöhte Arbeitsnachfrage die Machtkonstellationen am Arbeitsmarkt? Beinhalten die digitale Transformation und der Fachkräftemangel die Chance soziale Ungleichheitsstrukturen nach Geschlecht, sozialer und ethnischer Herkunft aufzubrechen oder zementieren sie bestehende Muster?
  5. Digitalisierung und Ethik: An welchen Menschenbildern von Klienten wie Beschäftigten orientieren sich die entwickelten digitalen Technologien? Welche Werte transportieren sie? Welche ethische Verantwortung besteht für die Beschäftigten in und Träger von sozialen Dienstleistungen?
  6. Digitale Ökonomie und soziale Dienstleistungen: Welche Rolle übernimmt die soziale Dienstleistungsarbeit in der digitalen Ökonomie? In welchen Wechselwirkungen und Dynamiken stehen die Veränderungen der digitalisierten Arbeitsgesellschaft insgesamt zu den sozialen Dienstleistungen.

Neben der Konferenz, die am 12. und 13. März 2020 in Nürnberg stattfindet, können Sie sich für die Forschungswerkstatt am Vortag anmelden, in der Techniken zur Interviewführung erlernt und eingeübt werden.

Bitte senden Sie bis zum 6. Dezember 2019 Ihren Vortragsvorschlag in Form eines Abstracts mit maximal 300 Wörtern an Carolin Freier (Carolin.Freier [at] evhn.de)

 

Kontakt: 

Prof. Dr. Carolin Freier
Carolin.Freier [at] evhn.de