Ein Stapel wissenschaftlicher Bücher vor einer Gruppe von Personen

Kompetenzzentrum Qualitative Methoden in der Praxisforschung

eine Person erstellt ein Diagramm auf einem Flipchart

Qualitative ForschungKompetenzzentrum Qualitative Methoden in der Praxisforschung

Das Kompetenzzentrum erfasst Forschungsdaten vor allem im Rahmen von Interviews oder Gruppengesprächen.

Diese Vorgehensweisen sind besonders geeignet, wenn ein Themengebiet neu erschlossen werden muss, wie beispielsweise die Effekte und Strukturen einer neuen Maßnahme der Sozialen Arbeit. Qualitative Methoden werden außerdem eingesetzt, wenn sich Fragestellungen schlecht statistisch abbilden lassen, wie beispielsweise „Was ist für die Ehrenamtlichen typische Aspekte an Ihrer Arbeit in Maßnahme X?“. Außerdem können sich manche Personengruppen nur schwer auf standardisierte Methoden wie Fragebögen einlassen: beispielsweise Menschen mit kognitiven Einschränkungen können sich oft besser in Gesprächen mitteilen.

Im Bereich der Wirkungsforschung sind qualitative Maßnahmen besonders geeignet, wenn es darum geht zu analysieren, weshalb eine Maßnahme Wirkung zeigt. Bei derartigen Fragestellungen kooperieren zuweilen die Kompetenzzentren „Qualitative Methoden in der Praxisforschung“ und „Wirkungsorientierung in der sozialen Arbeit“ miteinander.

Was wir machen Unsere Leistungen

Das Kompetenzzentrum führt zum einen Forschungsprojekte mithilfe qualitativer Methoden der empirischen Sozialforschung durch. Zum anderen können im Rahmen von Mixed-Methods-Projekten zusätzlich auch quantitative Methoden integriert werden.

Außerdem berät das Kompetenzzentrum Interessierte, die selbst qualitative Methoden einsetzen möchten, bei Auswahl und Einsatz von qualitativen Methoden zur Datenerhebung und -auswertung.

Wie wir arbeiten Unsere Methoden

Im Rahmen der Datenerhebung können sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen befragt werden. Hierbei werden je nach Fragestellung unterschiedliche Methoden eingesetzt:  

Expertinnen- und Experten-Interviews werden eingesetzt, wenn die Expertise von Personen als Zugang zu einem Sachgebiet genutzt werden soll. Beispiel: Leitungskräfte verschiedener Einrichtungen werden zu Möglichkeiten der Steigerung des Fachkräftenachwuchs befragt.

Fokussierte Interviews werden eingesetzt, wenn die Perspektive bzw. der Fokus bestimmter Personen auf beispielsweise eine Maßnahme untersucht werden soll. Beispiel: Ehrenamtliche von Jugendkirchen werden befragt, was für sie Jugendkirche ausmacht.

Problemzentrierte Interviews werden eingesetzt, um Inhalte zu bestimmten Problemen zu analysieren. Beispiel: Angehörige von behinderten Menschen werden zu ihrer Sicht auf die Konflikte mit Hilfseinrichtungen befragt.

Narrative Interviews werden v.a. eingesetzt, wenn biographische Aspekte für eine Fragestellung eine Rolle spielen. Beispiel: Behinderte Menschen werden gebeten, den Entwicklungsprozess ihrer Arbeitssituation von der Werkstatt bis auf den ersten Arbeitsmarkt zu berichten, um hieraus Wirkfaktoren für die berufliche Weiterentwicklung dieser Personengruppe zu rekonstruieren.

Fokusgruppen werden eingesetzt, wenn es sinnvoll erscheint, eine Fragestellung oder einen Forschungsgegenstand in einer Gruppe strukturiert zu erörtern. Beispiel: In einer Gruppe von Fachkräften der Migrationsberatung werden Kernerfahrungen zur Bildung von Netzwerken zusammengetragen, um wiederkehrende Muster der Netzwerkarbeit zu erfassen.

Gruppendiskussionen werden eingesetzt, um auch implizite, den Befragten zum Teil nicht bewusste Aspekte einer Fragstellung zu analysieren. Sie können in Gruppen unter anderem genutzt werden, um die Dynamik einer Gruppe bzw. die handlungsrelevanten Orientierungen ihrer Einzelpersonen zu erfassen. Beispiel: Jugendgruppen werden gebeten, frei ihre Erfahrungen mit einer Bildungsmaßnahme zu erzählen, um aus den Erzählstrukturen zu rekonstruieren, welche Orientierungen ihren Umgang mit der Maßnahme strukturieren.

Im Rahmen der Datenerhebung können auch qualitative und quantitative Methoden kombiniert werden: Beispielsweise werden im Rahmen der Success Case Method zunächst mithilfe statistischer Methoden Fälle identifiziert, in denen eine Maßnahme besonders effektiv bzw. ineffektiv gewesen zu sein scheint. Anschließend wird mit qualitativen Methoden analysiert, was zu den jeweiligen Ergebnissen geführt hat. Auf diesem Weg werden schließlich entscheidende Faktoren für effektive Fallverläufe identifiziert.

 

Im Rahmen der Datenauswertung können inhaltsanalytische und interpretierende Methoden unterschieden werden:

Inhaltsanalytische Methoden, wie die Qualitative Inhaltsanalyse, fokussieren die Auswertung konkreter Aussagen von Befragten. Hierbei wird beispielsweise gezielt ausgewählt und zusammengefasst, was zu einer bestimmten Fragestellung gesagt wurde.

Interpretierende Methoden, wie beispielsweise die Dokumentarische Methode, ermöglichen Auswertungen, die über das konkret Gesagte hinausgehen, indem sie beispielsweise Muster rekonstruieren, mit denen Handlungsorientierungen der Befragten beschrieben werden können.

Referenzen Unsere Projekte

Der Landkreis Fürth gab 2019 ein Projekt in Auftrag, bei dem in einer qualitativen Vorstudie bis 2020 erfasst werden sollte, auf welchen Wegen Schwangere und Familien Zugang zu präventiven Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Familienbildung rund um die Geburt finden. Es entstand ein Modell, das drei Zugangsebenen beschreibt. Mit Akteuren aus der Region wurden schließlich auf Basis des Modells erste Ideen entwickelt, über die der Zugang zur Prävention gestärkt werden kann.

Der Fachbereich Autismus der Rummelsberger Diakonie baute einige Einrichtungen in Kooperation mit einem Verein Angehöriger auf. Diese Erfahrung wurde mithilfe qualitativer Methoden zwischen 2018 und 2019 reflektiert. Es wurden u.a. Rollen rekonstruiert, welche kooperierenden Angehörigen zugeschrieben werden, die mit unterschiedlichen Partizipations-Graden einhergehen. Schließlich wurde der Fachbereich neu konzeptioniert.

Im Dekanat Erlangen wurden zwischen 2018 und 2020 dreizehn Kirchengemeinden beraten, um ihr Gemeindeleben familienfreundlicher zu gestalten. In einem Forschungsprojekt wurden die entstandenen Effekte qualitativ erfasst, ihr Auftreten statistisch ausgewertet und ihre Entstehungsprozesse auf Wirkfaktoren hin analysiert. In einem Werkstattheft wurde festgehalten, was bei zukünftigen Projekte zu berücksichtigen ist.

So erreichen Sie uns Team und Kontakt

Sollten Sie Interesse an einer Zusammenarbeit haben, können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen und wir vereinbaren ein unverbindliches und kostenfreies Erstgespräch.

Dr. Karl-Hermann Rechberg

Institut für Praxisforschung und Evaluation, Leitung des Kompetenzzentrums 'Qualitative Methoden in der Praxisforschung'

+49 911 27253-715

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Prof. Dr. phil. Dennis John

Professor für Psychologie des Erwachsenenalters, Leitung Institut für Praxisforschung und Evaluation

+49 911 27253-751

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Anna Schröder , M.A.

Institut für Praxisforschung und Evaluation (IPE), wissenschaftliche Mitarbeiterin

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