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Erster Wichern Dialog mit wichtigen Erkenntnissen angewandter Wissenschaft für die Diakonie
25.10.2017

Die Präsidentin der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN) Professorin Barbara Städler-Mach betonte auf dem ersten Wichern-Dialog: „Gerade einmal gut zwei Jahre hat es seit der Gründung des Wichern-Instituts gebraucht, um mit gemeinsamen fundierten Forschungsergebnissen an die Öffentlichkeit treten zu können.“ Es sei richtig, als Evangelische Hochschule angewandte Wissenschaft in und für praktische diakonische Angebote zu betreiben. Ganz in diesem Sinne verlief am 25.10.2017 in Altdorf der erste Wichern Dialog, der von Dr. Bernhard Petry als Geschäftsführer, Prof. Joachim König und Forschungskoordinator Diakon Dietmar Maschke vorbereitet wurde. Universitäre Forschung und Lehre im Nürnberger Land in Verbindung zwischen der EVHN einerseits und der Rummelsberger Diakonie andererseits brachten neue Erkenntnisse für die Handlungsfelder Jugend, Menschen mit Behinderung und Seniorenarbeit.

 
Als erste stellten Professorin Helene Ignatzi und zwei Studentinnen ihre Untersuchungsergebnisse vor. Aufgabe war herauszufinden, ob und wie die Betreuung von Menschen mit einer dementiellen Erkrankungen und Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung und einer Demenz gemeinsam angeboten werden kann. Dazu wurden Befragungen in Einrichtungen in Köln und Essen sowie ein Angebot in einer Rummelsberger Einrichtung praktisch durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass für die beiden Gruppen einzelne Beschäftigungs- und Freizeitangebote gut angenommen wurden aber beispielsweise die Unterbringung in einer gemeinsamen Wohnform bei den heutigen Rahmenbedingungen schwer vorstellbar wäre. Wichtig sei, so Volker Deeg, Diakon und Fachlicher Leiter bei den Rummelsberger Diensten für Menschen mit Behinderung, die Selbstbestimmung aller Menschen zu achten, die diakonisch-soziale Angebote in Anspruch nehmen. Dies betonte auch der wissenschaftliche Leiter des Instituts, Professor Joachim König.

Ein weiteres Untersuchungsgebiet der EVHN war die Begleitung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge durch die Rummelsberger Jugendhilfe. Prof. Gerhard Wirner und seine Studierenden konnten hierbei auf die langjährige Erfahrung der Rummelsberger bei der Begleitung junger Flüchtlinge zurückgreifen. So konnten eine ganze Reihe von Menschen befragt werden, bei denen die Flucht schon einige Jahre zurücklag. Deutlich wurde bei der Untersuchung, dass das durchgeführte 12-wöchige Clearingverfahren gute Perspektiven für Geflüchtete schafft. Die enge Zusammenarbeit von hauptamtlichen Pädagogen und ehrenamtliche Helfern mit ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen hilft einerseits die Lage eines Flüchtlings gut zu klären und andererseits Traumata aus der Fluchtsituation beginnend zu bearbeiten. Zunächst ginge es aber in der Arbeit darum, für die Geflüchteten einen sicheren Hafen zu bieten, so Doktorand Maximilian Strehl in seinen Ausführungen. Olaf Forkel, als Fachlicher Leiter der Jugendhilfe in Rummelsberg für die Flüchtlingsarbeit zuständig, sieht die Bemühungen seiner Mitarbeitenden durch die Forschung bestätigt. Ähnlich sehen dies wohl auch die Jugendamtsleiter aus der Region Nürnberg. Sie seien bereit, so Forkel, im Dezember 2017 mit den Rummelsberger darüber zu verhandeln, wie die gemeinsame erfolgreiche Arbeit weiter geführt werden kann.

Der dritte Forschungsgegenstand der Hochschule betraf Selbstbestimmung und Inklusion von Menschen mit Behinderung. Doktorand Karl-Hermann Rechberg untersuchte das von der Rummelsberger Behindertenhilfe im Jahr 2012 eingeführte Case-Management. Volker Deeg führte dazu vorher aus, dass die Rummelsberger Dienste diese neue Form der Betreuung ohne eine eigene Refinanzierung eingeführt haben. Ungefähr je 80 Menschen mit Behinderung werden seit dieser Zeit von einem eigens ausgebildeten Case-Manager begleitet. Seine Aufgabe ist in einfachen Worten, einen Menschen mit Behinderung in die Lage zu versetzen, selbstbestimmt für das eigene Leben zu entscheiden. Rechberg untersuchte, ob dieser neue Dienst zu einer Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Behinderung führte. Aus Sicht der Betroffenen gab es eine große Zustimmung für dieses neue Angebot. Individuelle Wünsche zum Beispiel in der Wohnsituation in einer stationären Einrichtung konnten eher ausgedrückt und beachtet werden. Die Verantwortlichen der Diakonie hatten die Manager auch als Störer von lange eingeübten Verfahren eingesetzt. Und war es früher eher so, dass ein Mensch sich dem anpassen musste, was die Umgebung wollte, ist es heute verstärkt möglich eigene Vorstellungen umzusetzen. Damit werden Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt. Die Case-Manager sind Vertraute von Menschen mit Behinderungen, die außerhalb der Systeme stehen, die Assistenzleistungen und Arbeitsangebote anbieten.

Auch in diesem letzten Beispiel wurde deutlich, wie eine Hochschule praktische Angebote wissenschaftlich begleiten und bei der weiteren Umsetzung helfen kann. Darüber hinaus sind die Evangelische Hochschule Nürnberg und die Rummelsberger Diakonie mit dem ersten Wichern-Dialog auf einem guten Weg ihre Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.



Text: Rummelsberger Diakonie e.V., Kommunikation; mit freundlicher Genehmigung.







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