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Leberwurst bildet politisch
25.01.2016

Abschluss und gleichzeitiger Höhepunkt des praxisbegleitendes Seminars „politische Bildung“ in den Studiengängen Soziale Arbeit und Sozialwirtschaft war eine dreitägige Exkursion Mitte Januar nach Berlin. Den Schwerpunkt der Veranstaltungen in den beiden vergangenen Semestern bildeten Inhalte über Rechtsextremismus. Die Gruppe  besuchte die Ausstellung zur „Topographie des Terrors“, die eindrückliche Inhalte über den Machtapparat von SA und SS in der Zeit von 1933 bis 1945 dokumentiert. Am nächsten Tag erlebten die Studierenden nach eigener Aussage eine sehr „heitere und nahbare“ große Politik: In der besuchten Plenardebatte im Bundestag stand das vermeintlich wenig aufregende Thema „Diskussion zur Kommission des Lebensmittelbuches“ auf der Tagesordnung. Nicht zuletzt dank der gelassenen Sitzungsleitung von Norbert Lammert wurde jedoch die Bedeutung der auf höchster Ebene diskutierten Materie für das tägliche Leben greifbar: Wer darf darüber entscheiden, wie Lebensmittel gekennzeichnet sein müssen? Wieviel Leber braucht die Leberwurst und wieviel versteckte Zusatzstoffe dürfen verwendet werden?


Am Nachmittag war die Gruppe  ins Ministerium für Familie, Soziales, Senioren und Jugend geladen. Dort nahm sich der für das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ verantwortliche Fachreferent, Thomas Heppener, Zeit um der Gruppe detailkenntnisreich von Best-Pratice-Projekten und Gelingensfaktoren in der Arbeit gegen Rechtsextremismus zu berichten.

Ein Besuch im "antifaschistischen Pressearchiv" in Kreuzberg rundete den Berlinbesuch ab, eine Initiative, die bundesweit die rechtsextreme Szene beobachtet und deren Veröffentlichungen auswertet. Erschreckend waren  Einblicke in Originaldokumente ("Fanzines“), in denen schon um das Jahr 2000 die Taten des NSU mit einem höhnischen Augenzwinkern lobende Erwähnung fanden. Wohl für alle Insider verständlich, der Öffentlichkeit verborgen und den Opfern eine nicht hinnehmbare Schmach.

Der Einblick in die Bedeutung der Arbeit gegen Rechtsextremismus für zukünftige Profis im Sozialwesen wurde auf diese Weise durch drei intensive Tage in Berlin abgerundet.


Text: Sebastian Feder



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