Hochschulöffentliche Veranstaltungsreihe "Soziale Arbeit in Europa": Innovative Konzepte im Kampf gegen Kinderschlepper
16.12.2009 - 17.12.2009 08:00
Auftaktveranstaltung der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Prof. Dr. Edina Normann: Am 16. und 17. Dezember 2009 jeweils von 8 bis 10 Uhr stellt der Wiener Sozialpädagoge Norbert Ceipek seine Arbeit als Leiter der „Drehscheibe Augarten“ vor, eines von 12 Krisenzentren, in dem seit dem Jahr 2001 insbesondere Kinder aus Rumänien, Bulgarien sowie Slowenien untergebracht wurden. Ceipek interessierte von Anfang an eine längerfristige Lösung des Problems ‚Menschenhandel‘.
Soziale Arbeit hat viele Gesichter. Sehen wir uns in Europa um, stellen wir fest, dass auch unter durchaus unterschiedlichsten strukturellen und konzeptionellen Rahmenbedingungen Soziale Projekte gut oder schwierig laufen, funktionieren oder aber auch scheitern können. Mit dieser Veranstaltungsreihe soll der Frage nachgegangen werden, was es im Einzelnen ist, was das ‚Authentische‘, das Überzeugende Sozialer Arbeit im europäischen Kontext ausmacht. Was wirkt, was ist nachhaltig? Welche Rolle spielen Konzeptionen, Strukturbedingungen, welche Rolle spielen die Personen, die die Praxis jeden Tag aufs Neue gestalten?
Österreich bildet den Auftakt zu dieser Reihe, Rumänien, Italien und Irland sollen als weitere Länderportraits folgen.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen zum hochschulöffentlichen Vortrag von Norbert Ceipek, Wien, der
am 16. und 17.12.09 von 8.00 bis 10 Uhr
im Hörsaal S 18
einen Einblick geben wird in seine Arbeit.
Norbert Ceipek, Sozialpädagoge, leitet in Wien die „Drehscheibe Augarten“, eines von 12 Krisenzentren, in dem seit dem Jahr 2001 insbesondere Kinder aus Rumänien, Bulgarien sowie Slowenien untergebracht wurden. Ceipek interessierte von Anfang an eine längerfristige Lösung des Problems ‚Menschenhandel‘. Er kontaktierte die rumänischen und bulgarische Botschaft und startete ein gemeinsames Projekt, welches die Ausstellung provisorischer Pässe, und damit eine rasche Rückführung der Kinder in ihre Heimatländer ermöglichte. Nach dem Vorbild der Wiener „Drehscheibe“ entstanden in Rumänien im Zeitraum zwischen 2004 und 2005 insgesamt 18 Krisenzentren, 2006 folgten drei weitere in Bulgarien. Aufgabe dieser Krisenzentren vor Ort war es, die verschleppten Kinder aufzunehmen und zu betreuen. Auf Einladung der rumänischen und bulgarischen Behörden besuchte Ceipek und sein Team die Einrichtungen, und unterstützte die dortigen MitarbeiterInnen bei der Arbeit vor Ort.
Das Ergebnis dieses Engagements kann sich sehen lassen: Im Jahre 2005 fiel die Zahl der aufgegriffenen rumänischen Kinder in Wien auf Null. Und auch in Bulgarien, auf das sich die Schlepper in der Folgezeit konzentrierten, zeigte das Rückführungsprogramm Wirkung. In der zweiten Jahreshälfte 2006 musste kein einziges Kind nach Bulgarien zurückgeführt werden. Dieser Trend hält bis heute an.
Mit diesem – von Norbert Ceipek initiierten – Kooperationsmodell ist es Wien als einziger Hauptstadt im Rahmen der EU gelungen, eine Senkung der Zahl verschleppter Kinder zu erreichen. Im Jahr 2006 wurde die „Drehscheibe“ hierfür mit dem „Prix Territoria Europe“ ausgezeichnet, einem Preis der frz. Regierung für innovative Projekte.
Norbert Ceipek versteht sich selbst als ‚Lobbyist‘ für Kinder. Für seine Verdienste bei der Eindämmung des Menschenhandels verlieh ihm die Republik Österreich 2009 das silberne Ehrenverdienstkreuz.
Prof. Dr. Edina Normann
Frauen-/Gleichstellungsbeauftragte
der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg