Mut zum Schweigen - Erfahrungsbericht einer spirituellen Reise
04.11.2009

Neun Studierende des Fachbereichs Religionspädagogik begaben sich gemeinsam mit Prof. Beate Hofmann auf eine sechstägige spirituelle Reise auf dem Schwanberg, einem geistlichen Zentrum bei Kitzingen. Gott sollte auf eine andere, neue Weise erfahren werden und alle wissenschaftlichen Theorien, die die Studierenden bis dahin kennengelernt hatten, hinter sich gelassen werden.


Ein Bericht von Elke Sörgel, 8. Semster, Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit

„Halten Sie einmal still! Suchen Sie nicht möglichst vielerlei und möglichst Kompliziertes zu denken. Lassen Sie einmal diese ursprünglichen Wirksamkeiten des Geistes emporkommen: Das Schweigen, die Angst, das unsagbare Verlangen nach Wahrheit, nach Liebe, nach Gemeinsamkeit, nach Gott.“

Mit diesem Zitat von Karl Rahner wurden wir im Juni dieses Jahres von zwei Schwestern der Communität Casteller Ring auf dem Schwanberg, einem geistlichen Zentrum in der Nähe von Kitzingen, bei herrlichem Sonnenschein begrüßt. Gemeinsam mit Prof. Beate Hofmann, neun Studentinnen und einem Studenten aus dem Fachbereich Religionspädagogik begaben wir uns auf eine sechstägige spirituelle Reise. Es ging darum, Gott auf eine andere, neue Weise zu erfahren und die Dogmatikbücher und alle wissenschaftlichen Theorien, die wir bis dahin in unserem Studium kennengelernt hatten, hinter uns zu lassen. Es ging darum, sich mit allen Sinnen auf die ganzheitlichen, spirituellen Angebote einzulassen und das erforderte auch Mut. Zu Beginn war es gar nicht so einfach, still zu halten und gemeinsam zu schweigen, aber sehr wohltuend. Jeden Morgen trafen wir uns nach dem Gebet vor der Kirche und liefen ohne ein Wort zu sprechen eine dreiviertel Stunde durch den wunderschönen Laubwald auf dem Schwanberg. Ein mystischer Ort, an dem schon die Kelten 1000 v. Chr. ihre Götter angebetet haben. Beim Laufen ging es darum, sich entweder auf das Gehen, das Hören oder das Sehen zu konzentrieren und dadurch die eigene Wahrnehmung zu schulen. Die Suche nach Gott begann damit, dass wir uns selbst erst einmal bewusst wahrnahmen. Wie fühlten wir uns gerade, welche Gedanken waren da, was beschäftigte uns innerlich? Diese Selbstwahrnehmung vertieften wir durch eine Einführung in die christliche Meditation. In einem hellen, mit einer Christus-Ikone und Kerzen gestalteten Meditationsraum versuchten wir, in eine für uns angenehme Gebetshaltung auf Gebetshockern oder -kissen zu kommen. Eingeleitet mit einem Bibelwort, ging es darum, sich im gemeinsamen Schweigen der Gegenwart Gottes zu öffnen. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Gott spricht in der Stille, er schenkt Ruhe und Frieden auch wenn erst einmal die innere Unruhe spürbar wird. Meditation ist eine lebenslange Übung, um den eigenen christlichen Glauben zu vertiefen, meinte Sr. Anke Schmidt, die uns hier sehr behutsam und einfühlend angeleitet hat. Ich fand es auch gut und wichtig, dass wir nach allen spirituellen Angeboten, unsere Erfahrungen, Gedanken und Gefühle in einer gemeinsamen Reflexionsrunde austauschen konnten.

Am zweiten Tag bekamen wir eine Einführung in den Gregorianischen Choral von Sr. Kathrin-Susanne Schulz, einer ehemaligen Studentin der Evangelischen Fachhochschule. Die Schwestern der Communität treffen sich viermal am Tag zum gemeinsamen Gebet und singen Psalmen (Gebete aus dem Alten Testament), die mich persönlich sehr berührt haben. Auch hier ging es darum, die Psalmen selbst mitzusingen und nicht nur zuzuhören. Zu den Gebetszeiten morgens, mittags und abends sowie zu den regelmäßigen Gottesdiensten waren wir und alle anderen Besucher auf dem Schwanberg herzlich eingeladen. Sich jeden Morgen um 6.30 Uhr zum Gebet in die Kirche zu begeben, war nicht immer einfach und es stand uns frei, daran teilzunehmen oder nicht.

Ein weiteres kreatives Angebot bestand darin, aus Ton ein eigenes Labyrinth zu gestalten. Mit Hilfe einer Vorlage versuchte jeder eine Tonkugel mit den Händen so zu bearbeiten, dass daraus ein Labyrinth mit scheinbar vielen Wegen und Wendungen entstand, die am Ende aber immer zu einer zentralen Mitte führen. Das Labyrinth ist ein Sinnbild für den Lebensweg des Menschen. Er verläuft nicht geradlinig und führt nicht direkt zum Ziel, sondern ist oft gekennzeichnet durch Wendungen und Umwege, die am Ende aber immer zu Gott führen. Das hat mich persönlich beruhigt, denn es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich das Gefühl hatte, ich komme nicht zum Ziel, der Weg, den ich gehe, führt mich nicht dorthin, wo ich hinmöchte. Diesen Gedanken des Labyrinths hat Prof. Beate Hofmann am letzten Abend wieder aufgenommen und in einem Raum auf dem Boden ein begehbares Labyrinth aufgezeichnet. Nach einem meditativen Kreistanz konnte jeder von uns bewusst den Weg der vielen Wendungen und der klaren, langen Abschnitte für sich selbst noch einmal in aller Stille gehen. Es war ein wunderschöner Abschluss unserer spirituellen Reise auf dem Schwanberg.

Ich möchte mich bedanken bei den Studierenden des 4. und 8. Semesters für die gute Gemeinschaft, bei Sr. Anke Schmidt und Sr. Kathrin-Susanne Schulz, die uns achtsam begleitet haben auf diesem Weg und bei Prof. Beate Hofmann, die diese spirituelle Reise für uns organisiert und ermöglicht hat.

So beende ich meinen Erfahrungsbericht mit Worten von Sören Kierkegaard :

Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.
Ich wurde, was womöglich
ein noch größerer Gegensatz zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.
Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber,
dass Beten nicht nur Schweigen ist, sondern Hören.
Beten heißt nicht sich selbst reden hören,
beten heißt still werden und still sein
und warten, bis der Betende Gott hört.


Ich wünsche allen Studierenden des Fachbereichs Religionspädagogik, dass sie sich auf diese spirituellen Angebote einlassen, weil es um eine Vertiefung des eigenen Glaubens geht. Und hinsichtlich der hohen Anforderungen im späteren Berufsleben können Gebet, Stille und Meditation helfen, neue Kraft für die Arbeit zu bekommen und nicht auszubrennen.

Von Elke Sörgel (8. Semester, Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit)









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