2. Hochschulpolitischer Pflegefachtag: Neun bayerische Hochschulen machen sich stark
26.06.2018

Rund 110 Teilnehmer kamen zum 2. Hochschulpolitischen Pflegefachtag am 22. Juni 2018 an die Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN). Die Studierendenvertretung der Gesundheits- und Pflegestudiengänge der EVHN organisierte gemeinsam mit den Studierendenvertretungen von acht weiteren bayerischen Hochschulen den Fachtag für Studierende, Pflegefachkräfte und Einrichtungsleitungen im Gesundheits- und Pflegebereich. Die Studierenden der unterschiedlichen Pflegestudiengänge diskutierten unter dem Motto „Chancen. Nutzen. Verantwortung.“ mit der Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, unter anderem über diese Themen: Wie kann die Integration von hochschulisch ausgebildetem Pflegepersonal optimiert werden – organisatorisch, inhaltlich und finanziell? In welcher Form ist die Politik an der Pflegeforschung interessiert und fördert diese?


Die Studierenden – alle mit Ausbildungen und Praxiserfahrung im Gesundheits- und Pflegebereich – fordern mehr Wertschätzung, gerade auch finanziell, um dem Wunsch nach Qualität gerecht zu werden. Aus diesem Grund soll die Forschung in der Pflegewissenschaft („Evidenced Based Nursing“) gestärkt werden, so ein weiteres Anliegen der Studierenden. Staatsministerin Huml unterstützte das Anliegen der Studierenden, dass die Einbindung von akademisch ausgebildeten Pflegekräften in den Pflegealltag weiter gestärkt und verbessert werden muss. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass sich die Gesundheits- und Pflege-Studierenden weiter auf politischer und berufspolitischer Ebene für ihre Anliegen stark machen müssen.
In sechs Workshops diskutierten die Teilnehmer fachliche und pflegepolitische Fragestellungen sowie Hintergründe und Implikationen neuer Berufsrollen in der Pflege. Franz Wagner, Präsident des deutschen Pflegerates e.V., referierte über die pflegepolitischen Herausforderungen.

Zum 2. Hochschulpolitischen Pflegefachtag luden ein die Studierendenvertretungen der Evangelischen Hochschule Nürnberg, der Technischen Hochschule Deggendorf, der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Wilhelm Löhe Hochschule, der Hochschule Kempten, der Katholischen Stiftungshochschule München, der Hochschule München, der OTH Regensburg und der Hochschule Rosenheim.


Foto: EVHN, Diskussionsrunde von Studierenden mit Staatsministerin Melanie Huml.
EVHN-Pressemitteilung vom 26.06.2018



Bericht über den 2. Hochschulpolitischen Pflegefachtag
am 22. Juli 2018 an der Evangelischen Hochschule Nürnberg


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Autoren: Rita Zöllner, Kristina Pinther, EVHN, für die Arbeitsgruppe Hochschulpolitischer Pflegefachtag


Am 22. Juni 2018 fand der 2. hochschulpolitische Pflegefachtag unter dem Motto „Chancen. Nutzen. Verantwortung“ an der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN), in Kooperation mit den acht weiteren bayerischen Hochschulen, die auch Pflegestudiengänge anbieten, statt. Nach der Devise „von Studierenden für Studierende“ lag der Fokus auf dem Austausch zwischen Studierenden, Politik, Berufsverbänden und Vertretern der Pflegepraxis.

Die Moderatorin des Tages, Kristina Pinther, Studierende des Studienganges „Health: angewandte Pflegewissenschaften (APW)“ an der EVHN konnte 170 Gäste begrüßen. Diese hatten die Möglichkeit, sich am Vormittag in die angebotenen sechs Workshops aktiv einzubringen.

Der Workshop „Pflegeexperten ANP“ – ein komplementäres Konzept zur Implementierung akademisch ausgebildeter Pflegender in der Pflegepraxis“ fand unter der Leitung der „Advanced Practice Nurses“ (ANP) Studierenden Andrea Spiegler und Marc Dittrich, statt. Im Anschluss an die Vorstellung des zugrunde liegenden Modells wurde in Kleingruppen der Frage nachgegangen, ob und wie der Einsatz von Pflegenden mit Masterqualifikation in der direkten Patientenversorgung die Professionalisierung der Berufsgruppe Pflege beeinflusst. Die Teilnehmenden formulierten mögliche Auswirkungen bezüglich der Aspekte „Identifikation von Versorgungslücken“, „Förderung der Autonomie der Berufsgruppe“ und „Systematisierung von pflegebezogenem Wissen und Erweiterung des Body of Knowledge“. Weiterhin unterstütz das ANP- Modell, durch die Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen, zugleich die systematische Implementierung der Bachelor-Absolventen, indem es evidenzbasiertes Pflegehandeln unmittelbar in die Pflegepraxis bringt.

Der Workshop „neue Technologien in der Pflege“ bot unter der Leitung von Dominik Schrembs und Martin Jedrusiak, Studierende an der EVHN, einen Einblick in die aktuellen technischen Entwicklungen in der Pflege. Im Anschluss an den Initialvortrag, wurden in Kleingruppen ethisch orientierte Fragen zum Einsatz von Servicerobotern in Altenheimen kritisch diskutiert. Die Teilnehmer stellten als Ergebnis fest, dass die Beantwortung der Fragen neben konkrete Antworten auch zahlreiche weitere Fragen aufwirft. Bei der schnellen und stetigen Entwicklung der Technik wird auch deren Einsatz kontinuierlich evaluiert werden müssen.

Mit dem Thema „Gesundheits- und Krankenpflege im Maßregelvollzug - Teil der exekutiven Staatsgewalt“ setzte sich Thomas Auerbach von der TH Deggendorf als Workshopleiter auseinander. Er stellte den Pflegeprozess, zwischenmenschliche Phänomene, Bedürfnisse, Gesundheitsressourcen und -probleme im Zusammenhang mit Straftaten von psychisch kranken Rechtsbrechern im Workshop vor. Ein Spanungsfeld zwischen (Pflege-)Therapie, Ethik, Würde, Sicherheit und Gesellschaft und der Frage: „Welche Effekte und Wirksamkeiten ergeben sich für die akademische Pflege?“ wurden zur Diskussion gestellt. Dabei wurde ein großer Bedarf ermittelt.
„Wie gelingt ein Qualifikationsmix in der Praxis für Pflegende und Patienten?" Diese Fragestellung bearbeiteten die Pflegedual (PD) Studierenden der OTH Regensburg, Ann-Kathrin Dünkel, Alexander Stadler und Melanie Zistler, in ihrem Workshop. Nach dem Einstieg in die Thematik mittels Erläuterung der aktuellen Probleme von Pflegeakademikern im Berufsalltag, war es Ziel des Workshops, möglichst praxisnah Aufgabengebiete zu definieren, die in der Zukunft von Bachelor- und Masterabsolventen der Pflegestudiengänge übernommen werden können. Anhand eines Fallbeispiels wurden in Arbeitsgruppen Pflegeprobleme ermittelt, die anschließend den verschiedenen Qualifikationsstufen zugeordnet werden sollten. Bald wurde klar, wie schnell sich die Geister scheiden, wenn es um die Einteilung geht, in welche Zuständigkeitsbereiche z.B. die Grundpflege fällt. Konsens herrschte darüber, dass es sinnvolle und attraktive Aufgabengebiete für akademisierte Pflegekräfte gibt und dass der Qualifikationsmix in den Pflegeberufen nur durch ein Miteinander gelingen kann.

Mit der Fragestellung „Pflegen kann Jeder?“ wurde der Workshop zur Pflegequalität eingeleitet. Jeannette Sandner, Tamara Schneemayer und Thilo Rothfuß, Studierende der EVHN, stellten die Qualität in der Pflege als ein Zusammenspiel von Qualifikation, Rahmenbedingungen und dem gesellschaftlichen Ansehen der Pflegenden da und diskutierten in ihrem Workshop.

Und nicht zuletzt wurden die „Möglichkeiten des politischen Engagements“ betrachtet. Maria Dengler und Peter Dengler von der TH Deggendorf, ließen die Teilnehmer des Workshops in Rollen von Entscheidungsträgern schlüpfen. Sie sollten ein Gefühl zu bekommen, wie politische Meinungsbildung von statten geht. Schnell wurde klar, dass es sich als anstrengender und langwieriger Prozess darstellt, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Eine interessante Erkenntnis, besonders da die Zusammenstellung der Gruppen aus Personen mit ähnlichen Vorstellungen bestand. Konsens bestand darin, dass der Vorgang zur Erstellung eines Positionspapiers unter der Berücksichtigung verschiedener Interessen als große Herausforderung anzusehen ist. Weiterhin entscheidend für eine gute politische Interessensvertretung sind Persönlichkeiten, die bereit sind, authentisch die gemeinsamen Interessen zu vertreten.

Den Nachmittag läutete Franz Wagner, Präsident des deutschen Pflegerates und Geschäftsführer des DBfK, mit einem Vortrag ein. Er fokussierte sich auf die momentane Situation in der Pflegepraxis und gab einen Ausblick auf den Personalmangel in den folgenden Jahren. Die Zukunft liegt im Qualifikationsmix mit den Einsatz hochschulgebildetes Pflegepersonal in der Pflegepraxis.
Es folgten die Grußworte der Präsidentin der Hochschule, Prof. Barbara Städler-Mach, und dem Studiengangleiter Prof. Dr. Jürgen Härlein, sowie die Grußworte der Projektleiter Rita Zöllner und Maximilian Heinkele, Studierende der EVHN. Anschließend sprach die Bayerische Staatsministerin für Pflege und Gesundheit Melanie Huml, MdL, ihre Grußworte bevor Sie an einer Dialogrunde mit Studierenden teilnahm. Vertreten waren hier die Bachelorstudiengänge Health: Angewandte Pflegewissenschaften: Rita Zöllner, Pflege Dual: Vivien Schuster, Gesundheits- und Pflegemanagement: Maximilian Heinkele und Gesundheits- und Pflegepädagogik: Herr Dominik Schrembs, sowie der Masterstudiengang Advanced Nursing Practice: Marc Dittrich. Im Dialog beantwortete die Staatsministerin studiengangsspezifische Fragen zur systematischen Implementierung von hochschulgebildeten Pflegenden auf Bachelor- und Masterniveau, sowie die Frage zur Umsetzung einer evidenz-basierten Pflege und Pflegeforschung. Das Thema der Digitalisierung in der Pflegeausbildung und pflegeorientierte Anpassung des DRG-Vergütungssystems wurde ebenfalls angesprochen. Die Fragen wurden ausführlich beantwortet und die Themen insgesamt sensibilisiert. Mit einem positiven Eindruck ging die Diskussionsrunde zu Ende.

Beim anschließenden Ausklang und Meet and Greet wurden zahlreiche neue Kontakte geknüpft und Weichen für den nächsten Hochschulpolitischen Pflegefachtag gestellt.

Die Besonderheit des Hochschulpolitischen Pflegefachtags ist die Leitung und Organisation der Veranstaltung in Verantwortung von Studierenden der EVHN: Im Organisationsteam waren neben den Hauptverantwortlichen Rita Zöllner (APW) und Maximilian Heinkele, Pflegemanagement (PT), Marc Dittrich (ANP) für die Workshops verantwortlich. Die Moderation leitete Kristina Pinther (APW) und für die Anmeldung waren Regina Schamberger (APW) und Ruth Schubert (APW) zuständig. Die Organisation des Sponsorings lag bei Janine Schwember (APW).



Zum 2. Hochschulpolitischen Pflegefachtag luden ein die Studierendenvertretungen der Evangelischen Hochschule Nürnberg, der Technischen Hochschule Deggendorf, der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Wilhelm Löhe Hochschule, der Hochschule Kempten, der Katholischen Stiftungshochschule München, der Hochschule München, der OTH Regensburg und der Hochschule Rosenheim.




Juni 2018

www.evhn.de






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