Mensch-Maschine-Vernetzung: Ethische Orientierung für Entwickler. Start des BMBF-Forschungsprojekts ComplexEthics
27.07.2017

Darf ein technisches System oder eine Maschine Erziehungsaufgaben bei Kindern übernehmen? Ist eine Videoüberwachung pflegebedürftiger Angehöriger oder von Kindern Ausdruck von Fürsorge oder Überwachung? Sollen oder dürfen „Pflegeroboter“ Pflegebedürftige auch emotional ansprechen? Diese Fragen müssen sich auch die Entwickler sogenannter sozio-technischer Arrangements stellen, denn die steigende Komplexität ist nicht allein ein technisches Problem, sondern stellt auch die Nutzer zunehmend vor Orientierungsprobleme im alltäglichen Umgang mit digitaler Technik. Ziel des Forschungsprojektes „Wahrnehmungs- und Orientierungsinstrument zur Evaluation vernetzter sozio-technischer Arrangements (ComplexEthics)“ ist es, Orientierungswissen bereits für die Entwickler neuer Technologien zu erarbeiten, mit dem die digital vernetzte Welt gedeutet und bewertet werden kann. Prof. Dr. Arne Manzeschke von der EVHN leitet das Forschungsprojekt ComplexEthics, das ab Juli 2017 über drei Jahre mit 1,13 Millionen Euro zu hundert Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

 
In dem Projekt wird ein Orientierungsinstrumentarium für Ingenieurs- und Informationswissenschaften entworfen, um bei Forschung und Entwicklung solcher sozio-technischen Arrangements ethische, rechtliche und soziale Fragen sensibel wahrzunehmen und die vernetzten Technologien entsprechend verantwortlich zu gestalten.

Zur Entwicklung des Wahrnehmungs- und Orientierungsinstruments werden analytische und theoretische Zugänge aus Ethik, Anthropologie, Informatik und Soziologie zusammengeführt. Sowohl die Nutzer und Konstrukteure von komplexer Technik als auch externe Experten werden mittels qualitativer Interviews und Fokusgruppen einbezogen. Von dieser transdisziplinären Auseinandersetzung gehen Impulse für die konkrete Technikgestaltung aus, die als didaktisches Konzept zum Beispiel in Form eines Handbuchs zu ethischen Leitlinien der Praxis zur Verfügung gestellt werden. Das Handbuch erlaubt Entwicklern frühzeitig und umfassend ethisch sensible Problembereiche zu identifizieren und in der weiteren Entwicklung zu berücksichtigen.

Forschungspartner sind die Ludwig-Maximilians-Universität München (Münchner Kompetenzzentrum Ethik, PD Dr. Jan-Christoph Heilinger), die Universität Potsdam (Institut für Informatik & Computational Science, Prof. Dr.-Ing. habil. Ulrike Lucke) und das Karlsruher Institut für Technologie (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse ITAS, PD Dr. Stefan Böschen).


(EVHN-Pressemitteilung, 27. Juli 2017)



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